Begrünungsgebot in Erfurter Vorgärten

Veröffentlichung Diskussionspapier

Bereits im August 2020 haben wir ausführlich begründet, warum wir als Fraktion Mehrwertstadt eine Änderung der Begrünungssatzung für Erfurt fordern. Um den Hitzeeffekt von Erfurter Schottergärten genauer zu untersuchen haben wir mit einer Wärmebildkamera Daten erhoben. Wir haben die heißen Tage im Sommer 2020 genutzt und geschotterte Flächen analysiert.

Unsere Ergebnisse veröffentlichen wir in unserer Analyse: “Begrünungsgebot in Erfurter Vorgärten – Diskussiospapier” – die hier kostenlos herunter geladen werden kann.

In der Innenstadt gelegen bot sich ein Objekt zu einer spannenden Vergleichsmessung an. Hier findet sich neben einer geschotterten Fläche mit fünd eher dekorativen Bäumen ein Naturgarten. Der MDR berichtete bereits im Sommer 2020 ausführlich über unsere Datenerhebung und über Bestrebungen anderer mitteldeutscher Kommunen.

Begrünung bedeutet Artenschutz und Biodiversität

Beim Schutz der Artenvielfalt kommt Städten eine immer größere Rolle zu. Gerade aufgrund der weit verbreiteten industriellen Landwirtschaft mit ihren negativen Folgewirkungen für die Biodiversität, sind die ökologischen Flächen und Nischen in der Stadt oft zu einem Rückzugsort für Insekten und Pflanzen geworden. Vor welche ökologischen Herausforderungen stellen sogenannte Schottergärten die Bio-Diversität in Erfurt? Welchen Einfluss nehmen sie auf das lokale Mikro-Klima?

Um dies für die Stadt Erfurt zu eruieren, haben wir im Sommer 2020 mit Hilfe einer Wärmebildkamera die Temperatur-Oberflächendaten von Schotter- und Kiesflächen in Vorgärten von Erfurt erhoben und diese ausgewertet. Vor dem Hintergrund, dass die Begrünungssatzung aus dem Jahr 1995 im Jahr 2020/21 erneuert wird, möchte die Fraktion Mehrwertstadt im Stadtrat Erfurt begründen, welche inhaltlichen Änderungen für ein Begrünungsgebot infrage kommen. Eine Analyse aus dem Labor für Transformation und Veränderungsprozesse.

Besonderheit: Andreasstraße 39/40 – Schottergarten neben Naturgarten

Die Andreasstraße ist 39/40 ist ein besonderes Beispiel in Erfurt: Hier finden sich in direkter Nachbarschaft ein geschotterter Vorgarten mit wenigen kleinen Baumgehölzen. Direkt daneben findet sich ein Naturgarten, mit mehreren Vegetationsebenen, vor allem mit dichtem Bewuchs im Bodenbereich. Die Temperaturunterschiede beider “Gärten” sind enorm und ausführlich in unserem Begrünungsgebot diskutiert.

Abblidung Andreasstraße 39 | 06.08.2020 12:30

Die Messpunkte ergeben Werte von 26,6 – 49,6 °C bei einer Außentemperatur 29 Grad. Der Wert mit den 26,6 Grad betrifft die Hauswand, welche im Schatten lag und noch nicht besonnt war an diesem Tag. Neben der grüne Garten der Andreasstraße 40 zeigte zur gleichen Messzeit mit verschiedenen Messpunkten der Oberflächentemperatur eine Variation von 27- 33°C. Damit lag die Oberflächentemperatur nur minimal über der Außentemperatur. Ähnliche Werte liefern weitere Messdaten dieses Standortes. (Nachzulesen in Kapitel 2 der Analyse Begrünungsgebot.)

Die Förderung von Naturschutz als intrinsische Motivation der Menschen vorauszusetzen, ist zwar ehrenhaft, entspricht jedoch nicht der Realität. Neben dem Schutz der Artenvielfalt kommt Städten eine immer größere Rolle zu. Gerade aufgrund der weit verbreiteten industriellen Landwirtschaft mit ihren negativen Folgewirkungen für die Biodiversität sind die ökologischen Flächen und Nischen in der Stadt oft zu einem Rückzugsort für Insekten und Pflanzen geworden. Schottergärten nehmen diese wichtigen Nischen und verdrängen Biodiversität weiter. Privatgrundbesitzer*innen tragen hier mit Verantwortung.
Laut einer repräsentativen Studie der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung sind 15 % der Vorgärten in Deutschland mittlerweile geschottert. Auch für Erfurt konnten wir diese Entwicklung feststellen, samt ihrer negativen Auswirkungen auf das Mikro-Klima (Kapitel 2).

Begrünungsgebot für Erfurt

Diesem “Trend” möchte die Fraktion Mehrwertstadt mit einem Begrünungsgebot entgegenwirken. Die in Kapitel 4 dargestellten möglichen Maßnahmen zur Veränderung der intrinsischen Motivation der Menschen sollten dennoch begleitend und unterstützend zum Gebot der Begrünung angeboten werden. Der Bildungsansatz der BUGA21 ist daher sehr begrüßenswert und sollte gut begleitet werden. Monetäre Anreize für Rückbau sind kritisch zu hinterfragen und in Fördergrundsätze für Artenreichtum, Biodiversität und Klimaschutz allgemeiner Natur überprüfen.


Im Rahmen des Hitzeaktionsplans in Erfurt sind grüne Gärten als Grundsatz zu etablieren und Begrünung als Mittel der Wahl zu unterstützen. Die Stadt Erfurt fördert weiterhin bereits Blühwiesen im und um das Stadtgebiet. Die Stadt handelt als solche vorbildlich um Biodiversität zu fördern. Private Akteure müssen ebenso vorbildlich ihre im Privateigentum befindlichen Flächen pflegen.


Wir plädieren für eine klare Definition des gestalterischen Spielraumes der Begrünungssatzung nach dem Vorbild der ebenso in Erfurt gültigen Vorgartensatzung (siehe Kapitel 1 Ausgangslage Diskussionspapier Begrünungsgebot).

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